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Zusätzlicher Urlaubsanspruch: Regelungen zur kurzfristigen akuten Pflegebedürftigkeit

In vielen Fällen tritt die Pflegebedürftigkeit von einem Tag auf den anderen ein – beispielsweise, wenn sie die Folge eines Schlaganfalls oder eines Verkehrsunfalls ist. Die ersten Tage sind für die Angehörigen dabei besonders schwierig, da sie innerhalb kürzester Zeit ihren Alltag umstellen und sich an die neue Situation anpassen müssen.

Es ist erforderlich, die nötige Ausstattung zu besorgen,
einen Pflegedienst zu organisieren und vieles mehr. Wenn Sie berufstätig sind, kann das schon zu einer Herausforderung werden. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber im Pflegegesetz die kurzzeitige Arbeitsverhinderung aufgrund einer akuten Pflegebedürftigkeit festgelegt. Diese Regelung sieht vor, dass Sie in einem derartigen Fall für einige Zeit von Ihrer Arbeit fernbleiben dürfen.

In welchen Fällen tritt die Regelung für die kurzzeitige Arbeitsverhinderung in Kraft?

Wenn ein naher Angehöriger Pflege benötigt, dann sind oft viele Arztbesuche nötig. Daher ist es sinnvoll, bereits frühzeitig um eine Bestätigung für die Pflegebedürftigkeit und für die Erforderlichkeit der Arbeitsbefreiung zu bitten. Diese müssen Sie auf Verlangen Ihrem Arbeitgeber vorlegen, um die freien Tage in Anspruch zu nehmen.

Die Höchstdauer ist dabei auf zehn Tage begrenzt.

Im Unterschied zu den Bestimmungen zur Pflegezeit und zur Familienpflegezeit,
bei denen eine gewisse Betriebsgröße notwendig ist, damit die entsprechende Regelung greift, ist dieser Aspekt hierbei nicht von Bedeutung. Sie können die kurzfristige Arbeitsverhinderung ganz unabhängig von der Mitarbeiterzahl geltend machen.

Wichtig ist es jedoch, zu beachten, dass Sie nur Anspruch auf eine Beurlaubung haben,
wenn es sich um einen nahen Angehörigen handelt. Das sind:

  • Eltern, Stiefeltern, Schwiegereltern und Großeltern
  • Ehegatten, Lebenspartner sowie Partner in einer eheähnlichen Gemeinschaft
  • Geschwister und Schwäger/Schwägerinnen
  • Kinder, Schwiegerkinder und Kinder des Ehepartners oder Lebenspartners (dabei zählen auch jeweils Adoptiv- und Pflegekinder) sowie Enkelkinder

Pflegeunterstützungsgeld: die finanziellen Rahmenbedingungen

Wenn ein Familienangehöriger pflegebedürftig wird, fallen hohe Ausgaben an, die Sie oftmals zumindest zum Teil aus eigener Tasche aufbringen müssen. Damit durch das Fernbleiben von der Arbeitsstelle kein zusätzlicher finanzieller Verlust entsteht, hat der Gesetzgeber auch hierfür eine Regelung erlassen.

Daher haben Sie in diesem Fall Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld.

Dabei handelt es sich um eine Zahlung in Höhe von 90 Prozent des Nettogehalts,
das Sie in der entsprechenden Zeit verdienen würden. Diesen Zuschuss müssen Sie unverzüglich bei der Pflegekasse beantragen.

Wenn Sie die Pflege zusammen mit einer anderen Person übernehmen und beide den Anspruch auf kurzfristige Arbeitsverhinderung geltend machen, dann ist diese Leistung für beide zusammen auf zehn Tage begrenzt.


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