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Die Pflege eines kranken oder behinderten Angehörigen wird in den meisten Fällen daheim durchgeführt. In der Regel sind es die Frauen, die sich um Großmutter, Vater, Mutter, Tante oder ein behindertes Kind kümmern. Dies entspricht rein statistisch etwa 70 % aller Fälle.

Aber die Pflege kann auch zum Problem für die ganze Familie werden.
Frauen, die daheim ihre Angehörigen pflegen, handeln sehr oft nach einem erlernten Verhaltensmuster. Sie haben bereits von Mutter, Großmutter oder Tante erfahren, dass von ihnen erwartet wird, einen Angehörigen zu betreuen.

Vielfach wird der Partner in die Entscheidung sich um Mutter, Großmutter, Tante oder eine anderes Familienmitglied zu kümmern, jedoch nicht einbezogen. Dies birgt Zündstoff für Konflikte innerhalb der eigenen Familie. Schon manche Ehe ist durch die Belastungen der Pflege in die Krise geraten oder am Ende sogar komplett gescheitert.

Wie kann man die Situation in der Familie und Partnerschaft verbessern?

  • Die Entscheidung jemanden zu pflegen, sollte von beiden Ehepartnern gemeinsam getroffen und getragen werden. Beziehen Sie die Familie und den Partner in die Entscheidung mit ein.
  • Holen Sie sich Hilfe ins Boot, indem Sie beispielsweise einen Pflegedienst engagieren.
  • Schaffen Sie sich Freiräume. Nehmen Sie sich einmal pro Woche einen Tag oder einen Nachmittag frei, der nur Ihnen gehört. Engagieren Sie für diesen Tag jemanden oder bitten Sie ein anderes Familienmitglied, Nachbarn oder Freunde um Hilfe. So beugen Sie Überlastung und Burn-Out vor.
  • Schließen Sie sich einer Gruppe für pflegende Angehörige an. So erhalten Sie Möglichkeiten, sich auszutauschen und profitieren von Erfahrungen anderer. Gruppen dieser Art gibt es in Kirchengemeinden, bei Diakonie, Caritas, AWO usw.
  • Trauen Sie sich auch einmal nein zu sagen, wenn Ihre Mutter, Ihre Schwiegermutter, Oma usw. bei der täglichen Betreuung allzu fordernd wird.
  • Besuchen Sie einen Kurs für pflegende Angehörige. Dadurch können Sie im täglichen Umgang in der Pflege sicherer werden. Diese Kurse gibt es ebenfalls bei VHS, Diakonie Caritas, dem Rotem Kreuz usw.
  • Nehmen Sie Ihr Recht auf Kurzzeitpflege in Anspruch. Hat Ihr Angehöriger bereits eine Pflegestufe, so wird von der Pflegekasse eine Kurzzeitpflege für bis zu 4 Wochen finanziert.

Mit Belastungen besser umgehen

Mit den oben genannten Tipps dürfte es Ihnen leichter fallen die richtige Entscheidung zu treffen. Mit professioneller Hilfe durch Pflegedienste und Beratung durch Selbsthilfegruppen, Hausarzt usw. kann es für Sie einfacher werden, mit der Pflege-Situation zurecht zu kommen. Dies gilt besonders für die Pflege Demenzkranker.

Eine 24-Stunden Betreuung ist in diesen Fällen nötig
und der Umgang mit Aggressionen und Verwirrtheitszuständen kann belastend sein. Mit der richtigen Unterstützung können Sie jedoch besser mit diesen Dingen umgehen.

Es ist kein Zeichen von Schwäche,
wenn Sie sich diesbezüglich Rat und Hilfe holen. Wenn Sie berufstätig sind, können Sie außerdem Tagespflege in Betracht ziehen.

Wenn die Pflege zu Konflikten in der Partnerschaft führt:

  • Die Familie und den Partner in die Pflege einbeziehen
  • Unterstützung von Selbsthilfegruppen, Pflegediensten usw. erhalten
  • Sich selbst Freiräume gönnen um Burn-Out zu vermeiden
  • Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in Anspruch nehmen

Bild: © Halfpoint / stock.adobe.com