Stimmungstief nach der Pflege

Das Leben nach der Pflege

Die durchschnittliche Pflegedauer wird zwischen sieben und neun Jahren beziffert. Genaue Zahlen dazu sind nicht auffindbar. Allerdings scheint es bei der teilweisen hohen Belastung während der Pflege zweitrangig, ob es nun sechs, sieben oder acht Jahre Pflegezeit waren. Denn wird die Pflege zuhause für die Angehörigen eine immer größer werdende Last, können schon ein oder zwei Jahren zu psychischen oder körperlichen Krankheitssymptomen führen.

Frank M. schrieb dazu folgende Nachricht:
„Vor einigen Tagen habe ich einen Bericht gesehen zum Thema pflegende Angehörige mit dem Titel „Pflege macht arm“. Da ging es auch darum,  dass es pflegende Angehörige nach der Pflegezeit meist sehr schwer haben, wieder in das normale Leben zurückzufinden. Und dass es für diese pflegenden Angehörigen keine Unterstützung für die Zeit nach der Pflege gibt. Viele müssen Hartz 4 beantragen und haben nach dem Tod der gepflegten Person, keine Zeit wieder ins Leben zu finden. Vielleicht auch dann eine Auszeit zu nehmen um sich zu orientieren und zu sehen wie es weiter geht und sich von der Pflegezeit ein wenig zu erholen. Den Kopf wieder frei zu bekommen. Also während der Pflegezeit gibt es viele Möglichkeiten, aber nach der Pflege stehen die pflegenden Angehörigen ganz schön alleine da. Warum gibt es keinen Fonds der die pflegenden Angehörigen nach der Pflege unterstützt?“

Tatsächlich werden die Angehörigen nach der Pflege allein gelassen. Viele fallen in ein Loch, weil ihr Leben plötzlich leer geworden ist. Andere wiederum haben sich verschuldet oder den Beruf aufgegeben. Ganz sicher wäre es sinnvoll, an dieser Stelle unterstützende Hilfen anzubieten.
An manchen Orten gibt es Trauergruppen. Dort treffen sich Betroffene, die mit dem Verlust eines geliebten Menschen weiter leben müssen. Sie tauschen sich aus und lernen mit der Trauer zu leben. Wer allerdings nur praktische Hilfen sucht oder finanzielle Unterstützung, der wird hier nicht fündig.

Mittlerweile gibt es allerdings mehrere Initiativen, die sich für die Belange der pflegenden Angehörigen einsetzen. Wie z. B. den im Jahr 2011 gegründeten Verein „wir pflegen“. Mehr Informationen zu der Arbeit des Vereins ist unter http://www.wir-pflegen.net zu finden.

Trotzdem: Die Frage von Frank M. ist gerechtfertig und sollte mehr Aufmerksamkeit bekommen. In einer E-Mail an den Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, habe ich die Frage weitergeleitet. Bisher hat mich noch keine Antwort erreicht. Sollte es eine Stellungnahme geben, wird sie hier zu lesen sein.

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Den obigen Ausführungen stimme ich voll zu. Während der Pflege bekommt man als Angehöriger Möglichkeiten zur Auszeit, die man aber nicht nutzen kann, da immer die Sorge um den pflegenden Angehörigen im Vordergrund steht. Allerdings benötigt man nach dem Ende der Pflege, als jemand deren Lebensinhalt nur noch das Pflegen war, Hilfe. Jetzt wäre z. B. eine Reha eine gute Möglichkeit, um sein Leben neu zu ordnen. Die wird aber abgelehnt, da man ja jetzt nicht mehr in der Pflegesituation ist. Es wäre gut, wenn auch an die Zeit nach der Pflege gedacht wird, um die Angehörigen wieder ins normale Leben zu führen.