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Aufgegebene Hobbys, abrupt beendete Sozialkontakte oder emotionale Teilnahmslosigkeit: Rückzugstendenzen sind ein frühes Symptom von Demenzerkrankungen und oft eine Folge von Scham über die eigenen Probleme. Die Folgen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität. Studien zufolge verschlimmert Rückzug sogar die Symptome bei Alters- und Alzheimerdemenz.

Direkte Folgen sind:

  • Frust
  • Einsamkeit
  • zunehmende Verwirrtheitszustände
  • Wutausbrüche

Geben Sie als demenzbetroffene Person oder Angehöriger Rückzugstendenzen keine Chance.

Demenzpatienten profitieren von Selbsthilfegruppen

Viele Demenzerkrankten wollen ihre Angehörigen so wenig wie möglich belasten. Vielleicht haben sie auch kaum noch Kraft, Hobbys oder alte Freundeskontakte aufrechtzuerhalten. Dass Menschen in ihrem Umfeld nicht automatisch alles über ihre Situation wissen und verstehen, ist ihnen bewusst, ständig erklären wollen sie sich aber nicht.

Frustgefühle und Verzweiflungstendenzen sind eine nachvollziehbare Reaktion.
Lassen Sie sich durch solche Stimmungen nicht zum Aufgeben zwingen.

Je aktiver Sie trotz Demenz am Leben teilnehmen, desto spannender bleibt Ihr Alltag. Das wirkt sich erwiesenermaßen positiv auf Ihren Krankheitsverlauf aus.Suchen Sie das Gespräch mit Ihren Kindern, Freunden und vielleicht einer Selbsthilfegruppe.

Verständnisvolle Gespräche verhindern Rückzugstendenzen

Ehepartner und andere Angehörige von Demenzpatienten fühlen sich besonders in der Frühphase oft überfordert. Dieses Überforderungsgefühl bringt sie nicht selten dazu, den Rückzug von erkrankten Angehörigen zuzulassen oder unbewusst zu unterstützen.

Manche Angehörige verfallen selbst in Rückzugstendenzen und geben beispielsweise Hobbies oder Sozialkontakte auf, um ihre eigenen Kräfte zu schonen und mehr Zeit zur Betreuung des Patienten aufzubringen.

Unterstützen Sie den Betroffenen dabei, Kontakte zur Umwelt und zu Bezugspersonen aufrechtzuerhalten:

  • Sprechen Sie die Probleme offen an und bieten Sie Unterstützung an.
  • In direkten Gesprächen mit dem Betroffenen stellen Sie ihm oder ihr idealerweise konkrete Lösungsmöglichkeiten vor, ohne ein Gefühl von Druck oder Bevormundung zu vermitteln.

Leben Sie als Angehöriger nicht nur für den Demenzbetroffenen

Damit sich Demenzpatienten geborgen fühlen, akzeptieren Angehörige die Realität des Betroffenen. Treten Sie dieser Realität verständnis- und respektvoll gegenüber und bieten Sie gleichzeitig Gelegenheit zur Beschäftigung und Kommunikation.

Geben Sie zugunsten dieser Maßnahmen aber nicht Ihr eigenes Leben auf.
Das könnte Ihren demenzkranken Angehörigen das Gefühl geben, Sie mit der Erkrankung zu sehr zu belasten.

Frust und noch stärkerer Rückzug aufseiten der Betroffenen folgen. Achten Sie deshalb darauf, auch noch Ihr eigenes Leben zu leben und sich nicht selbst zu isolieren.

Schritt für Schritt den Rückzug bei Demenz verhindern

  • Für Angehörige: Suchen Sie das Gespräch, sprechen Sie die Rückzugstendenzen an und bieten Sie Unterstützung an.
  • Achten Sie als Angehörige darauf, sich selbst nicht zu sehr zurückzuziehen.
  • Für Betroffene: Schließen Sie Angehörige nicht aus, suchen Sie das Gespräch. Je mehr Sie am Leben teilnehmen, umso besser wird es Ihnen gehen.
  • Für alle Beteiligten: Schildern Sie in Gesprächen verständnisvoll die eigene Sichtweise, ohne sie als einzige darzustellen.

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