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Unter FAQ oder ausgesprochen "Frequently Asked Questions", versteht man oft gestellte Fragen und die dazugehörigen Antworten zu einem Thema.
Wir wollen auf dieser Seite die brennendsten Fragen zum Thema „Pflege" für Sie beantworten. 

Wenn Sie der Meinung sind hier fehlt was, dann freuen wir uns über eine kurze Mail an office(at)martina-rosenberg.de

 

Wie erhalte ich einen Pflegegrad?

Sie können den Antrag auf Pflegebedürftigkeit bei Ihrer zuständigen Pflegekasse stellen, die sich bei der Krankenkasse befindet. Die Antragstellung kann auch von Familienangehörigen, NachbarInnen oder guten Bekannten übernommen werden, wenn Sie diese dazu bevollmächtigt haben.
Die Pflegekasse prüft Ihren Antrag und beauftragt den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige GutachterInnen damit, ein Gutachten über die Pflegebedürftigkeit zu erstellen. 

Um diese sogenannte Pflegebegutachtung vorzunehmen, kommt nach einer Terminvereinbarung ein Gutachter zu Ihnen nach Hause. Dabei wird die Bedarfssituation genau betrachtet und mit Ihnen ein Gespräch geführt. Falls möglich, nutzen Sie zur Vorbereitung des Termins ein Pflegetagebuch. Es hilft Ihnen bei der Begutachtung des MDK. Beim Begutachtungstermin sollte außerdem Ihre Pflegeperson anwesend sein.
Auf der Basis des Gutachtens wird nun ermittelt, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welcher Grad der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Das Ergebnis wird direkt an Ihre Pflegekasse weitergeleitet, die Ihnen dann mitteilt, ob ein Pflegegrad vorliegt, wenn ja welcher, und welche damit verbundenen Leistungen aus der Pflegeversicherung bewilligt werden.

Je nachdem, welche Pflegebedürftigkeit vorliegt, ist es nun wichtig, dass Sie sich zusammen mit Ihrer Familie überlegen, wie die konkrete Pflegeunterstützung im Alltag aussehen kann:

Kann die Pflege längerfristig durch Angehörige oder andere Pflegepersonen erfolgen oder soll ergänzend oder ausschließlich auf die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes zurückgegriffen werden?

Bei Ihrer Pflegekasse können Sie dafür allgemeines Informationsmaterial anfordern. Darüber hinaus haben Sie einen Anspruch auf umfassende und individuelle Beratung durch die PflegeberaterInnen Ihrer Pflegekasse. Insbesondere, wenn Sie erstmalig einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen, ist die Pflegekasse verpflichtet, Ihnen unmittelbar nach Antragseingang einen konkreten Beratungstermin anzubieten, der innerhalb von zwei Wochen durchzuführen ist. 

Auf der Suche nach einem ambulanten Pflegedienst oder einer Pflegeeinrichtung können Sie zudem unser Portal nutzen, um einen geeigneten Pflegedienst, eine Tagespflege- oder Pflegeeinrichtung in Ihrer Nähe zu finden.

Was kann ich machen, wenn wir kein Geld für das Heim haben?

Jeder Mensch, der mindestens Pflegegrad 2 hat, kann einen Heimplatz in Anspruch nehmen. Einen Teil der Kosten dafür übernimmt, nach erfolgter Antragstellung und abhängig von der Höhe des Pflegegrades, die Pflegekasse. Den einheitlichen Eigenanteil sowie die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten trägt der Bewohner selbst.

Reichen die eigenen finanziellen Mittel dafür nicht aus, stehen verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung, allen voran die Sozialhilfe, die auf Antrag gewährt werden kann. Zunächst jedoch muss der Ehepartner der Pflegebedürftigen sein Vermögen und sein Einkommen beisteuern. Gibt es diesen nicht oder sind dessen finanzielle Mittel erschöpft, besteht eine Unterhaltspflicht für Verwandte in "gerader Linie". Das sind in der Regel die Kinder der pflegebedürftigen Person.

In solchen Fällen müssen Kinder ihr Einkommen gegenüber dem Sozialamt offenlegen. Abhängig von bestimmten Faktoren, wie Gehalt, Wohnsituation, Anzahl und Alter der Kinder oder Aufwendungen für die private Altersvorsorge reduziert sich das Einkommen um gewisse Freibeträge. Vom verbleibenden Einkommen wird dann die Hälfte als Unterhaltsbeitrag festgelegt.

Nicht für den Elternunterhalt ausgeben müssen Sie Ihr Einkommen und Vermögen, wenn Sie dadurch Gefahr liefen, Ihren eigenen Unterhalt nicht mehr bestreiten zu können. Zu diesem Zweck gibt es das sogenannte Schonvermögen. Wer zum Beispiel selbst bewohnten Wohnraum besitzt, muss diesen bis zu einer bestimmten Wohnungsgröße nicht veräußern. Auch Autos können unter das Schonvermögen fallen und müssen dann nicht veräußert werden.

Ich habe zu Hause gepflegt, bin aber jetzt selbst erkrankt. Was kann ich tun?

Es ist sehr wichtig, dass Sie sich als pflegende Angehörige genügend Raum für Erholung und Regeneration nehmen, um dieser Aufgabe auch dauerhaft nachkommen zu können, ohne dabei krank zu werden. Sollte dies doch einmal passieren, aber auch für den Fall, dass Sie eine Kur antreten oder einmal Urlaub machen möchten, können Sie bis zu sechs Wochen im Jahr eine Vertretung in Anspruch nehmen.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege.

Bedingung ist dabei, dass die pflegebedürftige Person mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist und von Ihnen bereits mindestens sechs Monate in ihrer häuslichen Umgebung gepflegt wurde.
Für die Verhinderungspflege und für die Kurzzeitpflege stehen Ihnen jährlich bis zu 1.612 Euro zur Verfügung.

  1. Die Verhinderungspflege:
    Bei der Verhinderungspflege kommt bis zu sechs Wochen pro Jahr eine erwerbsmäßig tätige Pflegeperson oder ein ambulanter Pflegedienst zu Ihnen ins Haus und erledigt die Pflegeaufgaben, die sonst von Ihnen durchgeführt werden.
  2. Die Kurzzeitpflege:
    Bei der Kurzzeitpflege wird der Pflegebedürftige bis zu acht Wochen pro Jahr in einer stationären Einrichtung aufgenommen. 50 % des Kurzzeitpflegebetrags, also 608 Euro, können Sie stattdessen aber auch für die häusliche Verhinderungspflege nutzen. Das heißt, dass Sie insgesamt bis zu 2.418 Euro im Kalenderjahr für die Verhinderungspflege einsetzen können.
  3. Tages- und Nachtpflege:
    Außerdem haben Sie, wenn die pflegebedürftige Person mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist, zusätzlich Anspruch auf die Leistungen der Tages- und Nachtpflege. Dafür stehen Ihnen in Abhängigkeit des Pflegegrades zwischen 689 Euro (bei Pflegegrad 2) und 1.995 Euro (bei Pflegegrad 5) monatlich zusätzlich zu den oben genannten Leistungen der Kurzzeit- und Verhinderungspflege zur Verfügung.

Für von Ihnen gepflegte Personen mit Pflegegrad 1 können Sie den sogenannten monatlichen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro dafür einsetzen.

Die Einstufung in den Pflegegrad stimmt nicht. Wie kann ich mich wehren?

Wenn Sie von Ihrer Pflegekasse eine Ablehnung zum Antrag auf Pflegebedürftigkeit erhalten haben, nicht in den für Sie notwendigen Pflegegrad eingeordnet wurden oder ein Höherstufungsantrag abgelehnt wurde, sollten Sie sich nicht scheuen, Widerspruch dagegen einzulegen. Schließlich hat die nicht erfolgte oder zu niedrige Einstufung zur Folge, dass bestimmte Pflegeleistungen nicht über die Pflegekasse abgerechnet werden können und somit von Ihnen privat bezahlt werden müssen. 

Wiederspruch einlegen:

  1. Der Widerspruch gegen den Entscheid der Pflegekasse kann innerhalb von vier Wochen schriftlich erfolgen und zunächst reicht dafür ein formloses Schreiben.
  2. Allerdings müssen Sie eine Begründung für Ihren Widerspruch nachreichen und Ihre Sicht einer fehlerhaften Beurteilung schlüssig und detailliert darlegen.
  3. Nutzen Sie für die Begründung des Widerspruchs das Pflegegutachten als Basis und widersprechen Sie konkret an den Punkten, wo Sie glauben, dass falsch bewertet wurde.
  4. Sinnvoll ist es zudem, medizinische Dokumente wie Arztbriefe, Atteste und Entlassungsberichte bei Ärzten und Kliniken anzufordern, die zum Zeitpunkt der ersten Begutachtung möglicherweise noch nicht vorlagen. 

Die Pflegekasse prüft, ob Ihrem Widerspruch stattgegeben wird und beauftragt dann den Medizinischen Dienst mit einer erneuten Begutachtung. 

Interessant zu wissen: fast jeder dritte Erstantrag auf Pflegebedürftigkeit wird zunächst abgelehnt oder zu niedrig beschieden.

Niedersachsens größter Sozialverband hat zudem vor einiger Zeit ausgewertet, wie viele Gutachten einer Überprüfung standgehalten haben.
Das Ergebnis: 51 % aller angefochtenen Gutachten sind neu bewertet worden! Unterstützung bei einem Widerspruch erhalten Sie von den Verbraucherzentralen und vom Sozialverband VdK Deutschland.

Wenn Sie auch nach erneuter Begutachtung mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind, können Sie vor dem zuständigen Sozialgericht eine Klage einreichen. 

Was ist neu an den Pflegegraden?

Seit dem 1. Januar 2017 orientiert sich die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit eines Menschen nicht mehr daran, wie viele Minuten Hilfe für Waschen, Anziehen oder Betreuung im Alltag er benötigt, sondern daran, in welchem Ausmaß die Selbstständigkeit beziehungsweise die Fähigkeiten eines Menschen bei der Bewältigung seines Alltags beeinträchtigt sind.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Selbstständigkeit aufgrund von körperlichen oder psychischen Einschränkungen beeinträchtigt ist.

Bewertet wird lediglich, ob die Person in der Lage ist, die jeweilige Aktivität praktisch durchzuführen. Diese neue Bewertungsgrundlage bringt für Menschen mit Demenz erhebliche Vorteile mit sich, da sie nun mit höheren Pflegeleistungen rechnen können.

Statt der bisherigen drei Pflegestufen gibt es nun fünf Pflegegrade.
Zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit werden dabei alle Lebensbereiche anhand eines Fragenkatalogs betrachtet:

  1. Mobilität
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte.

Erst aufgrund einer Gesamtbewertung aller Fähigkeiten und Beeinträchtigungen erfolgt die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade. Diese sind abgestuft von geringen Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten (Pflegegrad 1) bis zu schwersten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten, die mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung einhergehen (Pflegegrad 5). 

Damit setzt die Unterstützung durch die Pflegeversicherung nun deutlich früher an, denn bei Pflegegrad 1 stehen Betroffenen zum Beispiel folgendes zu:

  1. eine Pflegeberatung
  2. eine Anpassung des Wohnumfeldes (zum Beispiel Türverbreiterungen für den Rollator oder den Rollstuhl, das Beseitigen von Türschwellen, eine altersgerechte Dusche)
  3. ein sogenannter Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich

Was bezahlt die gesetzliche Pflegekasse?

Je nach Pflegegrad, der durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung bestimmt wird, bezahlt die gesetzliche Pflegeversicherung Pflegegeld zwischen 125 Euro bei Pflegegrad 1 und 901 Euro bei Pflegegrad 5.

Zusätzlich stehen, auch abhängig vom Pflegegrad und ab Pflegegrad 2 Geldbeträge in unterschiedlicher Höhe für Pflegesachleistungen für die ambulante Pflege zur Verfügung – ab 689 Euro bei Pflegegrad 2 bis 1.995 Euro bei Pflegegrad 5.

Bei vollstationärer Pflege liegen die Beträge zwischen 125 Euro bei Pflegegrad 1 und 2.005 Euro bei Pflegegrad 5.

Wird der Pflegebedürftige zu Hause gepflegt und betreut, kann es zudem hilfreich sein, das Wohnumfeld an die besonderen Belange des Pflegebedürftigen anzupassen. Für entsprechende Umbaumaßnahmen oder Wohnungsanpassungen, wie zum Beispiel Türverbreiterungen für den Rollator oder den Rollstuhl, das Beseitigen von Türschwellen, den Einbau einer altersgerechte Dusche, leistet die Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse bis zu einer Höhe von 4000 Euro. 

Auch die Kosten für Pflegehilfsmittel bis zu einer Höhe von 40 Euro monatlich werden ab Pflegegrad 1 durch die Pflegeversicherung übernommen.

Sind pflegende Angehörige durch einen Urlaub oder Krankheit vorübergehend an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegeversicherung für Pflegebedürftige, die mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft sind, im Rahmen der sogenannten Verhinderungspflege die Kosten einer Ersatzpflege in Höhe von in der Regel bis zu 1.612 Euro für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr. Für die Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung  stehen pro Kalenderjahr 1.612 Euro für einen Zeitraum von bis zu acht Wochen zur Verfügung.

Zur sozialen Absicherung der pflegenden Angehörigen übernimmt die Pflegekasse zudem teilweise auch Beiträge zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Unfallversicherung.

Kann ich Verantwortung auch abgeben?

Ja, das können Sie. Wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger nicht mehr in der Lage ist, seine Angelegenheiten ganz oder teilweise selbst zu organisieren, und Sie Verantwortung nicht übernehmen wollen oder können, weil Sie zum Beispiel zu weit weg von ihm wohnen, ist es möglich, eine rechtliche Betreuung zu beantragen.

Die rechtliche Betreuung:

  • Diese Betreuung kann der pflegebedürftige Angehörige für sich selbst beantragen oder Sie oder eine andere Person erledigt dies für ihn
  • Für die Bestellung einer Betreuerin bzw. eines Betreuers ist die für den Wohnort des Betroffenen verantwortliche Betreuungsabteilung des Amtsgerichts zuständig.
  • Der Antrag kann schriftlich oder mündlich erfolgen.
  • Zur Entscheidung über den Antrag benötigt das Gericht ein ärztliches Attest oder Gutachten.
  • Ein Richter entscheidet nun darüber, das heißt, er prüft, ob eine Betreuung erforderlich ist. Ist dies der Fall, erlässt er einen Beschluss, in dem unter anderem steht, auf welche Aufgabengebiete sich die Betreuung bezieht und wer die Betreuerin / der Betreuer ist.
  • Sie oder er darf nur für Aufgaben bestellt werden, die tatsächlich notwendig sind. Die betreute Person wird bei der Einrichtung der Betreuung nicht entmündigt, sondern ist grundsätzlich weiterhin geschäftsfähig und eigenverantwortlich.
  • Der Betreuer / die Betreuerin hat den Wünschen der betreuten Person soweit wie möglich zu entsprechen. Es darf nicht einfach über ihren Kopf hinweg entschieden werden.
  • Wichtige Angelegenheiten hat der Betreuer / die Betreuerin grundsätzlich im Vorfeld mit ihr zu besprechen.

Mit einer sogenannten Betreuungsverfügung ist es außerdem möglich, im Voraus festzulegen, wen das Gericht als Betreuer / Betreuerin bestellen soll. Das Gericht ist an diese Wahl gebunden, wenn sie dem Wohl der zu betreuenden Person nicht zuwiderläuft.

Grundsätzlich hat der Betreute die Vergütung bzw. eine Aufwandsentschädigung für den Betreuer aus seinem Vermögen und Einkommen zu bestreiten. Hat der Betreute jedoch nur ein geringes Einkommen und kein Vermögen, trägt der Staat die Kosten für die Betreuung.

Welche Ansprüche habe ich als pflegender Angehöriger?

Wenn ein naher Angehöriger zum Pflegefall wird, können Sie sich bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen. Diese sogenannte kurzzeitige Arbeitsverhinderung soll es Ihnen ermöglichen, im akuten Pflegefall die Pflege Ihres Angehörigen zu organisieren. Für die Freistellung von der Arbeit genügt es dabei in der Regel, den Arbeitgeber über die besondere Situation zu informieren. Eventuell ist zusätzlich ein ärztliches Attest über die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen erforderlich.

Während der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung wird das Gehalt in der Regel nicht weitergezahlt. Sie haben jedoch Anspruch auf ein Pflegeunterstützungsgeld. Sie können es bei der Pflegekasse Ihres betroffenen Angehörigen beantragen.

Des Weiteren können Sie bis zu sechs Monate unbezahlt ganz oder teilweise aus Ihrem Job aussteigen, um Ihren Angehörigen zu Hause zu pflegen. Auf die sogenannte Pflegezeit haben Sie jedoch nur Anspruch, wenn Sie in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten arbeiten.

Sollte Ihr Angehöriger länger pflegebedürftig sein, haben Sie aber auch Anspruch auf Familienpflegezeit. Das heißt, Sie können bis zu 24 Monate Ihre Arbeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren – vorausgesetzt, Sie arbeiten in einem Betrieb mit mehr als 25 Beschäftigten.

Um das fehlende Einkommen während der Pflege- und Familienpflegezeit zu überbrücken, bietet das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) zinslose Darlehen an, die in monatlichen Raten ausbezahlt werden. Während dieser Pflege- und Familienpflegezeit sind Sie zudem jeweils vor einer Kündigung geschützt. Dieser Kündigungsschutz gilt vom Tag der Arbeitsverhinderungs-Ankündigung bis zum Ende der Auszeit.

In der Regel besteht während einer Pflegezeit eine Familienversicherung, sodass Sie für den Zeitraum der Pflegezeit mit kranken- und pflegeversichert sind. Sprechen Sie dies aber gezielt bei der Pflegekasse Ihres Angehörigen an, da Sie sich andernfalls freiwillig krankenversichern müssten.

Die Pflegeversicherung bezahlt Ihnen zudem die Beiträge für die Rentenversicherung, sofern Ihr pflegebedürftiger Angehöriger mindestens Pflegegrad 2 hat. Entscheidend für die Höhe der Beiträge ist der Zeitaufwand, den Sie für pflegerische Tätigkeiten aufwenden.

Daneben erhalten Sie seit Januar 2017 auch bessere Konditionen in der Unfall- und Arbeitslosenversicherung.

Was ist der Unterschied zwischen einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht?

Die Vorsorgevollmacht:

Mit einer sogenannten Vorsorgevollmacht können Sie eine andere Person dazu bevollmächtigen, Entscheidungen, zum Beispiel für Gesundheitsbehandlungen, für Sie zu treffen, wenn Sie selbst nicht mehr handlungs- und entscheidungsfähig sind.

Durch das Benennen Ihres gewünschten Betreuers bzw. Vertreters für den Ernstfall verhindern Sie zudem, dass im Bedarfsfall das Betreuungsgericht eine Ihnen unbekannte Person dafür bestellt. Die von Ihnen bevollmächtigte Person wird nicht vom Gericht beaufsichtigt und ist dem Gericht daher nicht rechenschaftspflichtig.
Bevollmächtigen Sie jedoch nur Personen, denen Sie uneingeschränkt vertrauen und von denen Sie überzeugt sind, dass sie in Ihrem Sinne handeln werden.

Die Patientenverfügung:

Mithilfe einer Patientenverfügung dagegen können Sie schriftlich im Voraus festlegen, für welche Krankheitssituation Sie in bestimmte medizinische Behandlungen einwilligen und welche Sie ablehnen.

Das kann den ausdrücklichen Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen, wie Beatmung und künstliche Nahrungszufuhr beinhalten oder eben den Wunsch, alles medizinisch Mögliche zu tun, damit Ihr Leben verlängert wird. Außerdem können Sie in einer Patientenverfügung angeben, welchen Ort Sie für den Sterbeprozess wünschen, so zum Beispiel die vertraute häusliche Umgebung oder ein Hospiz.

Anmerkungen zur Patientenverfügung:

  • Die Patientenverfügung soll so konkret wie möglich formuliert werden.
  • Vor der Erstellung der Patientenverfügung ist ein ärztliches Beratungsgespräch empfehlenswert.
  • Sinnvoll ist es zudem, zusätzlich eine Vorsorgevollmacht auszufüllen und der Patientenverfügung beizulegen.
  • Eine Patientenverfügung muss schriftlich verfasst und eigenhändig unterschrieben sein.
  • Grundsätzlich muss sie nicht notariell beglaubigt sein.
  • Wirksam wird sie mit der eigenhändigen Unterschrift.
  • Bei Personen mit fortgeschrittener Erkrankung, die nicht mehr selbst schreiben können, ist jedoch ein notariell beglaubigtes Handzeichen erforderlich.
  • Eine bestehende Patientenverfügung kann zudem jederzeit geändert, ergänzt oder widerrufen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistung?

Pflegebedürftige können selbst entscheiden, von wem und wo sie gepflegt werden möchten – ob im häuslichen Umfeld von Familie und Freunden oder durch professionelle ambulante Pflegekräfte.

Wird ein Pflegebedürftiger zu Hause gepflegt, so gewähren gesetzliche und private Pflegekassen Anspruch auf Pflegegeld. Es wird dem Pflegebedürftigen monatlich zur freien Verfügung ausbezahlt und beträgt zum Beispiel 125 Euro bei Pflegegrad 1 und 901 Euro bei Pflegegrad 5.

Mit den sogenannten ambulanten Pflegesachleistungen können Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 die Hilfe eines professionellen ambulanten Pflegedienstes sowie die Tages- und Nachtpflege in Anspruch nehmen. Zu Pflegesachleistungen zählen zum Beispiel Hilfen bei der Körperpflege, Ernährung und Bewegung der Betroffenen (Grundpflege) sowie Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Auch hierbei ist der dafür zur Verfügung stehende Betrag abhängig von der Höhe des Pflegegrades. Der Pflegedienst rechnet seine Leistungen hier jedoch direkt mit der Pflegeversicherung ab.

Beide Leistungen, Pflegegeld und ambulante Pflegesachleistungen, können aber auch miteinander kombiniert werden. Wenn Sie sowohl Pflegegeld als auch die Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen, nennt sich das Kombinationspflege. Die Pflegeversicherung bezahlt dann die Leistungen für den Pflegedienst und Sie erhalten – nach Abzug der Pflegesachleistung – ein anteiliges Pflegegeld. Beachten Sie jedoch, dass Sie sich bei der Antragstellung auf einen Pflegegrad für eine Geldleistung, eine Sachleistung oder eine Kombinationsleistung entscheiden müssen. Diese Entscheidung gilt für mindestens 6 Monate und kann nur unter bestimmten Voraussetzungen geändert werden.