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Familienerprobung in der Pflegezeit

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Eine gut funktionierende Familie ist eine Bereicherung und ist durch nichts zu ersetzen.

Dennoch gibt es auch durchaus andere Stimmen: „Wenn so ein Familientag vorbei ist, dann reicht’s mir auch wieder für einige Zeit“, so oder so ähnlich empfinden es viele Menschen. Das Gefühl, so angenommen zu werden, wie man ist, erzeugt Entspannung und Zufriedenheit.

Doch diesen Zustand der Entspannung haben bei weitem nicht alle Mitglieder
einer Familie. Manch einer leidet unter den alten Geschichten, die bei jeder Familienfeier wieder und wieder erzählt werden.

Veraltete Erinnerungen der Familienmitglieder

Der einst untalentierte Handwerker wird auf Lebzeiten in den Köpfen als solcher abgespeichert. Dabei spielt es keine Rolle, wenn die Erinnerungen der Familienmitglieder sich auf Ereignisse aus der Jugend stützen.

Die Weiterentwicklung eines Einzelnen wird gerne mal komplett ignoriert.
Und so bleibt die Erinnerung an einen handwerklich unbegabten Menschen unauslöschbar.

Egal, ob er inzwischen eine Menge dazu gelernt hat, und sich schon mit mehreren Projekte in Form eines Geräteschuppens oder reparierten Rasenmähers im eigenen Heim profiliert hat. Die einst gefasste Meinung bleibt hartnäckig in der Familie bestehen. 

Oder die Tochter, deren hauswirtschaftliche Fähigkeiten in der Jugend begrenzt waren:
Jedes Mal wird sie beäugt, wenn sie einen Kuchen mitbringt. „Der ist wohl vom Bäcker“, witzelt die Familie zum x-ten Male, obwohl sie schon längst eine erfahrene Kuchenbäckerin ist.

Spitze Bemerkungen beim Familientreff

Leicht genervt erträgt man die spitzen Bemerkungen, stets mit der Gewissheit, es nur für einen kurzen Zeitraum ertragen zu müssen. So ist eben Familie.
Denn eigentlich sind es doch nur Kleinigkeiten, die für ein paar Stunden beim Familientreffen auszuhalten sind, welches bestenfalls alle paar Monate stattfindet. Oder?

Auch, dass der Bruder eigentlich ein völlig anderes Leben als man selbst führt und ständig von seiner gelungenen Karriere erzählt.

Die Eltern, die das auch noch mit Begeisterung begleiten und viel zu ausführliche Fragen dazu stellen. Während man selbst womöglich still daneben sitzt und nach zwei Stunden hofft, dass der Nachmittag schnell vorbeigehen möge.

Geschwister müssen verschieden sein

Vermutlich ein völlig normales Bild einer deutschen Familie. Die Geschwister sind untereinander meist sehr verschieden und haben sich oft im Laufe der Jahre auseinandergelebt.

Die Andersartigkeit der Kinder hat übrigens System.
Forscher haben herausgefunden, dass dies nicht nur ein Klischee, sondern auch tatsächlich fast in jeder Familie anzutreffen ist.

Während der älteste Sohn ein Vorbild für Zuverlässigkeit, Beständigkeit und Pünktlichkeit ist, kann es sein, dass der jüngere Bruder sich genau gegenteilig verhält. Es wird vermutetet, dass sie sich so entwickeln, gerade weil sie Geschwister sind. 

Konkurrenzsituation der Geschwister

  • Ein Grund dafür liegt in der Konkurrenzsituation der Geschwister.
  • Sie kämpfen ständig um Zuneigung, Liebe und Anerkennung der Eltern, woraus eine gewisse Rivalität entsteht.
  • Kommt dann noch hinzu, dass die Eltern die Kinder unterschiedlich behandeln und wertschätzen, kann die Unterschiedlichkeit noch extremer ausfallen.

Das Ziel der Kinder ist es, eine einmalige Rolle in der Familie einzunehmen.
Es ist also ganz natürlich, dass sich die Geschwister völlig unterschiedlich entwickeln.

Das Drei-Phasen-Modell

Interessant ist das Ausmaß der Geschwisterrivalität, die erheblichen Schwankungen unterworfen ist. Die Entwicklung der Geschwisterbeziehung wird in drei Phasen eingeteilt.

  1. Sie beginnt mit der Geburt des zweiten Kindes
    und ist bereits in den ersten Jahren von einer schwierigen Phase begleitet, welche geprägt ist von Aggressivität und Feindseligkeit. Das Erstgeborene muss lernen, die Position eines Einzelkindes aufzugeben.
  2. Eine weitere kritische Phase stellt das Jugendalter dar.
    Die Suche nach einer persönlichen Identität und die Ablösung aus der Familie führen zu einer wieder aufflammenden Konkurrenzsituation zwischen Geschwistern. Zudem bestätigen amerikanische Psychologen, was sich kaum einer zuzugeben wagt, nämlich dass die Eltern meist einem Kind den Vorzug geben.
  3. So ist es auch kein Wunder, wenn im fortgeschrittenen Alter
    als Phase drei erneut Feindseligkeiten zwischen erwachsenen Geschwistern ausbrechen können, wenn etwa Krankheiten und Tod der Eltern die Familien wieder enger zusammenführen.