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Die Pflege naher Angehöriger ist extrem belastend – körperlich, psychisch, aber auch materiell. Vor allem Frauen sind betroffen, wenn sie ihre Arbeitszeit verkürzen oder ihre Erwerbstätigkeit wegen der Pflege sogar komplett aufgeben. Einen Königsweg gibt es nicht, aber der Staat und private Arbeitgeber bieten Hilfestellungen.

Pflegebedürftigkeit rechtzeitig beantragen

Viele Frauen erleben durch die Pflege einen zweiten Bruch ihrer Erwerbsbiografie. Während die Rückkehr in den Beruf nach der Elternzeit meist noch gut gelingt, sieht das bei der Pflege anders aus. Die Pflegenden sind selbst jenseits der Fünfzig. Wer jetzt seine Arbeitszeit reduziert oder kündigt, wird kaum eine Chance haben, auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren. Zu der körperlich anstrengenden Pflege und der Belastung durch das Leid eines lieben Menschen tritt noch die Angst vor eigener Altersarmut.

Viele Menschen warten zu lange mit dem Antrag auf Feststellung eines Pflegegrades.
Es hat keinen Sinn, die Augen zu verschließen und sich einzureden, der Zustand werde sich noch bessern.

Ein Anruf bei der Pflegekasse reicht, um sich zu informieren und Antragsformulare zu erhalten. Musteranträge gibt es auch zum kostenlosen Download im Internet.

Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeitgesetz ergänzen sich

Das Pflegezeitgesetz kennt drei Formen einer vorübergehenden Einschränkung der Berufstätigkeit.

Freistellung bis zu zehn Tagen

  • In einer akuten Notlage, zum Beispiel wenn ein Angehöriger aus dem Krankenhaus entlassen wird und Pflege organisiert werden muss, dürfen Arbeitnehmer bis zu zehn Tage frei nehmen.
  • Entweder ist der Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung verpflichtet, oder es gibt für diese Zeit ein Pflegeunterstützungsgeld+

Freistellung oder Reduzierung der Arbeitszeit bis zu sechs Monaten

  • D​ie zweite Regelung betrifft eine Auszeit von bis zu sechs Monaten durch eine vollständige Freistellung oder in Form einer Reduzierung der Arbeitszeit.
  • Allerdings gibt es dieses Recht nur in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten.
  • Manchmal sehen Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung bessere Regelungen vor – fragen Sie einfach in der Personalabteilung.
  • Eine finanzielle Unterstützung während dieser Pflegezeit erhalten Angehörige nur in Form eines zinslosen Darlehens, das später zurückgezahlt werden muss.

Freistellung bis zu drei Monaten und/oder Teilzeitarbeit für bis zu zwei Jahre

  • Schließlich besteht noch die Möglichkeit, einen sterbenden Angehörigen zu begleiten und dafür drei Monate die Arbeit ruhen zu lassen oder einzuschränken.
  • Das geht zum Beispiel während eines Hospiz-Aufenthalts, auch wenn keine Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde.
  • Das Familienpflegezeitgesetz garantiert zusätzlich einen Anspruch auf Teilzeitarbeit für bis zu zwei Jahre, wenn parallel noch mindestens 15 Wochenstunden gearbeitet wird.
  • Die verschiedenen Zeiten aus beiden Gesetzen lassen sich kombinieren, maximal sind aber 24 Monate plus die zehntägige Arbeitsverhinderung möglich.

Zeitlich begrenzte Hilfe vom Staat

  • Mit Pflegezeitgesetz und Familienpflegzeitgesetz haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Freistellung oder Reduzierung der Arbeitszeit.
  • Finanzielle Hilfen gibt es nur in geringem Umfang. Ein Darlehen muss zurückgezahlt werden.
  • Die Freistellungen sind zeitlich begrenzt. Nutzen Sie die Chance, um professionelle Hilfe zu organisieren

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