Frohes neues Jahr 2017

Wird nächstes Jahr vieles besser?

Ab Januar 2017 werden die drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade umgewandelt. Damit soll vor allem den demenzkranken Menschen der Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung erweitert werden. Herr Gröhe betont immer wieder, dass niemand schlechter gestellt werden soll. Soll heißen, alles wird besser. Doch stimmt das auch?

Die Zeit – ein wesentlicher Faktor
Ab Januar werden mit Hilfe eines Punktesystems sechs Lebensbereiche erfasst und bewertet. Die Zeit spielt bei der Einstufung der Pflegebedürftigkeit somit keine Rolle mehr. Im Mittelpunkt bei der Begutachtung steht viel mehr wie selbstständig jemand noch seinen Alltag bewältigen kann. Der Gutachter stellt fest, wo Hilfe benötigt wird und was noch alleine erledigt werden kann.

Der Vorteil ist, dass mit dem neuen Bewertungssystem auch Menschen Hilfeleistung bekommen, die bisher aufgrund von psychischen Erkrankungen in keine Pflegestufe zugeordnet werden konnten. Menschen mit leichter oder mittelschwerer Demenz gingen bisher leer aus, werden jetzt aber mit den körperlich beeinträchtigen Pflegebedürftigen gleichgestellt. Das ist gut, denn Geld schafft die Möglichkeit sich Hilfen einzukaufen.

Genaue Details zu der Zusammensetzung der Pflegegrade sind hier zu finden: https://www.pflege.de/pflegekasse-pflegerecht/pflegegrade/

Gibt es auch einen Haken?
Ja, den gibt es definitiv.
Menschen mit niedrigeren Pflegegrade 2 und 3 erhalten in stationären Einrichtungen weniger Geld. In Pflegegrad 2 werden beispielsweise 294 Euro weniger bezahlt. Es ist zu erwarten, dass somit der ohnehin hohe Eigenanteil der Pflegebedürftigen steigen wird.

Wenn eigene Mittel nicht vorhanden sind, wer bezahlt dann das Heim?
Zunächst werden die Kinder herangezogen und müssen einen Beitrag leisten. Mehr dazu zum Thema „Kinder bezahlen für ihre Eltern“ finden Sie hier. http://www.finanztip.de/elternunterhalt/

Wer jedoch keine Kinder hat, oder wessen Kinder, nicht über den Freibetrag hinaus verdienen, der hat Anspruch auf Sozialhilfeleistung. Das bedeutet, die Kommunen bezahlen den Heimaufenthalt. Das war schon immer so. Neu ist aber, dass sie bei Neueinstufungen erst ab dem Pflegegrad 2 für einen Heimaufenthalt aufkommen müssen.

Alternative ist die Tagespflege
Wer sich das Heim nicht leisten will oder kann, findet in der Tagespflege eine sinnvolle Alternative. Pflegebedürftige verbringen den Tag unter Betreuung mit verschiedenen Angeboten. Das entlastet nicht nur die Angehörigen, sondern gibt den pflegebedürftigen Menschen Struktur und verbessert die Lebensqualität.  Immer mehr Pflegeheime bzw. Pflegedienste bieten auch solitäre (nicht in den Heimalltag eingestreute) Tagespflege an.

Was fehlt in der Pflegereform?
Mag ja sein, dass der ein oder andere ein paar Euro mehr bekommt. Und natürlich muss die neue Begutachtung lobend erwähnt werden, weil sie die Demenzkranken mehr Beachtung schenkt.

Gut ist auch, dass im Laufe der letzten Jahre die ambulanten Dienste vermehrt in den ländlichen Regionen ausgebaut wurden. All diese Maßnahmen sind gut für die Pflegebedürftigen, weil sie lange zuhause bleiben können und sind auch gut für die pflegenden Angehörigen, weil sie zur Entlastung beitragen.

Dennoch sehe ich, als ehemalige pflegende Angehörige, die immer noch viel zu hohe Belastung, die nach wie vor überwiegend auf den Schultern der Frauen ausgetragen wird. Es gibt zwar eine Familienpflegezeit, auf die man nun seit 01.01.2015 für 6 Monate gesetzlichen Anspruch hat, aber wer kann sich das schon leisten? Verzicht auf Gehalt, wie soll das gehen? Ist der Arbeitgeber überhaupt so tolerant oder wird man unter Umständen in die Ecke gestellt?

Wo bleiben die durchgreifenden Maßnahmen, die den Angehörigen wirklich helfen, bei ihrem schwierigen Alltag? Ist es nicht immer noch so, dass die Politik sowie die Gesellschaft auf die Pflege durch die Angehörigen setzen? Obwohl doch längst klar ist, dass diese längst nicht mehr so verfügbar sind, wie es vor langer Zeit mal war! Die meisten Familien sind ohnehin durch Beruf und Kinder schon sehr stark ausgelastet. Woher sollen sie die Zeit für die Pflege nehmen? Am Ende sorgt genau diese Gradwanderung, allem gerecht zu werden dafür, dass viele pflegende Angehörige ausbrennen und erkranken.

Wie wäre es mit zusätzlichem Urlaubsanspruch für pflegende Angehörige? (Vergessen sie die 10 Tage, die gibt es nur im akuten Pflegefall).

Gesundheitsfördernd und kraftspendend wäre auch ein Anspruch auf eine Kur oder einen finanziellen Ausgleich, damit sich die pflegenden Angehörige selbst ein paar Tage „Auszeit“ nehmen können.

Mir würde dazu noch viel mehr einfallen, aber obwohl unsere Steuerquellen sprudeln, ist an dieser Stelle nichts zu erwarten.

Am Ende kann ich jedem pflegenden Angehörigen empfehlen, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Vor allem seien Sie ehrlich zu sich selbst!
Verteilen Sie Verantwortung und Aufgaben der Pflege auf mehrere Schultern, denn eine Pflegezeit kann über Jahre hinweg gehen. Die durchschnittliche Pflegezeit beträgt sieben Jahre! Umso wichtiger ist es, dass Sie sich vorher Gedanken über sich selbst machen.

  • Wie viel Zeit haben Sie?
  • Wer kann Sie unterstützen?
  • Stimmt die emotionale Bindung zu dem Pflegebedürftigen?
  • Steht Ihr Umfeld hinter Ihnen?

Die Beantwortung dieser Fragen, gibt Ihnen einen ehrlichen Hinweis auf Ihre eigene Situation.

Denn wer pflegt, übernimmt nicht nur die Verantwortung für den zu Pflegenden, sondern muss auch für sich selbst die Verantwortung tragen.

In diesem Sinne, wünsche ich allen schöne Weihnachtsfeiertage und ein gesundes, glückliches neues Jahr!

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