Unterhaltspflicht für die Eltern – Macht sparen Sinn?

Bezahlen für die Eltern, finden nicht alle Kinder gut. Aber wer heute im Alter in ein Pflegeheim umzieht, muss mit einem  Eigenanteil von mindestens 2000 Euro im Monat rechnen. Davon wird nicht nur die Pflege bezahlt, sondern auch die Verpflegung und das Wohnen. Doch immer weniger Menschen verfügen über eine ausreichende Rente. Was, wenn das Geld nicht reicht? Kann ein Pflegebedürftiger trotzdem ins Heim?

Ja! Denn zunächst kommt der Staat für den Eigenanteil auf, falls der Betroffene nicht über genügend eigene Mittel verfügt. Die Sozialkassen springen ein, wenden sich aber im zweiten Schritt an die Kinder. Denn diese müssen für den Unterhalt ihrer Eltern aufkommen, ganz gleich in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Das hat übrigens der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 12. Februar 2014 (XII ZB 607/12) nach einer Klage der Stadt Bremen gegen einen Sohn auf Elternunterhalt so entschieden.

Allerdings stehen dem Unterhaltspflichtigen, also dem Sohn oder Tochter, seit dem 1. Januar 2015 ein Selbstbehalt von 1.800 Euro und für den Ehepartner von 1.440 Euro pro Monat zu. Der Familienselbstbehalt beläuft sich damit derzeit monatlich auf 3.240 Euro. Hinzu kommen Freibeträge für eigene Kinder, die sich nach der Düsseldorfer Tabelle richten. Kinder müssen von diesem bereinigten und um den Selbstbehalt verminderten Nettoeinkommen die Hälfte an Elternunterhalt zahlen.

Mehr hierzu bei: Finanztip.de

Ist das immer gerecht? In einem Forum habe ich folgende Frage eines jungen Mannes gefunden. Er schreibt, er mache sich Sorgen darüber, dass er durch einen etwaigen Pflegefall seines Vater finanziell ruiniert werde, falls er es schaffen würde sich etwas anzusparen. Er ist Student und 27 Jahre alt. Der Vater ist bereits 64 Jahre alt und lebt im Ausland. Die Eltern sind geschieden, aber die Mutter lebt in Deutschland. Der Vater ist übergewichtig und hatte schon immer ein Alkoholproblem. Es bestand wenig Kontakt zum Vater und die  finanzielle Unterstützung durch ihn, beschreibt der Sohn, als eher bescheiden.
Er befürchtet, sein Vater könnte bald ein Pflegefall werden. Er lebt ungesund und der Sohn hat heute schon am Telefon den Eindruck, dass er geistig abbaut. Nach wie vor haben sie kein gutes Verhältnis.
Vater und Mutter haben kaum Geld und verfügen über wenig Rente. Nun befürchtet er, dass er für die Pflege seines Vater aufkommen muss. Folgende Fragen stellt er ins Forum:

1. Macht es für mich überhaupt noch Sinn, nach meinem Studium regelmäßig Geld beiseitezulegen (in Form von Tagesgeld oder Festgeld), oder wird mir im Pflegefall meines Vaters das meiste davon weggenommen? Sodass ich also alles, was vom Nettogehalt übrig bleibt sofort ausgegeben werden muss, damit mir der Staat nichts wegnehmen kann?

Antwort: Ja, es macht schon Sinn! Am besten er legt das Geld in ein selbst genutztes Wohneigentum an. Das wird vom Staat nicht angegriffen.
Ein Altersvorsorgevermögen, das fünf Prozent des gegenwärtigen Bruttoeinkommens entspricht, zählt zum sogenannten Schonvermögen. Der Freibetrag für das Altersvorsorgevermögen berechnet sich, indem das Jahresbruttoeinkommen und die geleisteten Berufsjahre herangezogen werden.
Beispiel: Bei einem Jahreseinkommen von 40.000 Euro bei 5 Berufsjahren stellt das Schonvermögen rund 10.000 Euro dar (zzgl. Verzinsung 4 Prozent) dar.
Mehr hierzu bei: http://www.finanztip.de/elternunterhalt/elternunterhalt-schonvermoegen/#ixzz3wrKkygB9

2. Kann mir ab einer bestimmten Höhe auch was von meiner Altersvorsorge weggenommen werden? Wenn ich z. B. zehn Jahre später ein Sparbuch habe, auf dem 1 Million Euro draufliegen, und ich sage, dass das allein für meine Altersvorsorge ist, kann mir dann
trotzdem etwas davon weggenommen werden ?

Antwort:  Wenn Sie eine Million Euro haben, sind Sie Ihrem Vater gegenüber unterhaltspflichtig. Das nicht anzutastende Vermögen wird mit dem Alter verrechnet.

Dieser Student hatte noch mehr Fragen, auf die ich in meinem Buch „Wege aus der Pflegefalle“ eingehe. Aber eines wird ziemlich schnell deutlich: Es ist nicht immer gerecht, wenn die Kinder unterhaltspflichtig werden. Sobald sie selbst eine Familie haben, ist der Freibetrag relativ hoch. Doch leben Sie allein, gilt ein Freibetrag von nur 1800 Euro, der in manchen Gegenden in Deutschland knapp werden kann.

Dazu möchte ich zwei unterschiedliche Szenarien darstellen:
Ehepaar Nummer Eins entscheidet sich gegen eigene Kinder. Beide haben ein anständiges Einkommen und leben sehr angenehm. Sie fahren schöne Autos, leisten sich mehrmals im Jahr Urlaub und geben ihr Geld gerne und viel aus. Im Alter bleibt ihnen ein Vermögen von rund 80.000 Euro. Kommt einer von ihnen später in ein Pflegeheim und die Rente reicht nicht aus, muss das oben genannte Vermögen zunächst aufgebraucht werden. Sind keine Geldreserven mehr vorhanden, springt die Sozialkasse ein.
Ehepaar Nummer Zwei hat zwei Kinder. Die Ehefrau nimmt sich ein paar Jahre Auszeit für die Kindererziehung. Der Ehemann arbeitet weiterhin und verdient den Unterhalt für die Familie. Beide Kinder studieren und kosten damit viel Geld. Zwischenzeitlich nimmt auch die Ehefrau die Arbeit wieder auf, um die Existenz zu sichern. Sie kaufen sich eine Eigentumswohnung, verzichten auf Urlaub und anderen Luxus. Die Ausbildung der Kinder geht vor. Beide Kinder, in deren Ausbildung viel Geld investiert wurde, verdienen später ganz gut. Tritt nun ein Pflegefall ein und ein Elternteil kann die Heimkosten nicht selbst aufbringen, müssen die Kinder für den Unterhalt aufkommen.
Für mich stellt sich das so dar: Ehepaar Nummer Eins, hat nichts in eine Ausbildung oder sonstiges für Kinder oder ihre eigene Zukunft investiert, aber viel Geld verlebt. Letztendlich müssen die Kinder des Ehepaars Nummer Zwei indirekt mit ihren Steuern auch noch für die Heimkosten des Ehepaars Nummer Eins aufkommen.
Ehepaar Nummer Zwei hingegen war immer fleißig, hat sich wenig gegönnt und im Sinne der Gesellschaft gewirtschaftet. Zuerst zahlen sie für die Kinder, dann zahlen die Kinder für sie.

Was sagen Sie dazu? Ist es richtig, dass die Kinder für ihre Eltern aufkommen müssen? Und was ist mit denen, die keine Kinder haben und alles Geld verjubelt haben? Ihre Meinung interessiert  mich. Schreiben Sie mir unter buch[@]martina-rosenberg.de

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ich habe auch mein leben lang gearbeitet und von meiner rente bleibt seit dem heimaufenthalt nicht mehr viel übrig..wenn ich aber zu hause geblieben wäre und die kinder versorgt hätte müsste der staat mehr bezahlen.und wenn jemand hartIV bekommt kann er auch ins heim-das zahlt dann auch der staat…wo ist da die gerechtigkeit.ich bin praktisch jetzt im alter arm.trotz arbeiten gehen..

Letztendlich ein ganz schwieriges Thema, bei dem vieles berücksichtig werden muss. Aber am Ende würde ich schon sagen, dass jeder Sparen soll.