Endlich ist es angekommen: Zuhause ist es nicht immer besser!

Unter dem Motto „Zuhause ist immer besser!?“ haben die Gesundheitsministerinnen von Nordrhein Westfalen, Barbara Steffens und der Rheinland Pfalz, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, zu einer Berliner Runde am 12. Oktober 2015 eingeladen. Laut einem Bericht der CAREkonrekt vom 23.10. war sich die Runde einig, dass auch wenn sich ein Großteil der Bevölkerung eine Versorgung im häuslichen Umfeld wünscht, es nicht immer die beste Lösung ist. Wörtlich wird Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt zitiert: „Viele zahlen einen hohen Preis dafür, zu Hause zu bleiben“.

Tatsächlich ist die Dunkelziffer von Betroffenen, die zuhause schlecht oder gar nicht versorgt werden hoch. Denn noch immer gilt es in vielen ländlichen Regionen als Niederlage, wenn ein Pflegebedürftiger ins Heim umzieht. „Abschieben“ ist das meist genutzte Wort in diesem Zusammenhang. Das Netz ist voll von frustrierten Angehörigen, die sich diskriminiert fühlen.
Dabei ist es in vielen Fällen ein Gewinn für die Betroffenen, weil sie plötzlich wieder an einem sozialen Leben teilnehmen können.

Was nützen denn die eigenen vier Wände, wenn ein Mensch den ganzen Tag alleine ist und das einzige Highlight die 10 Minuten in denen der ambulante Pflegedienst vorbeikommt, darstellt? Viele Regionen sind mit ambulanten Diensten schlecht versorgt, haben keine Angehörigen oder die Angehörigen wohnen viel zu weit weg, um sich zu kümmern.

Immer noch spart die Politik an der Versorgung durch die pflegenden Angehörigen und hat nicht verstanden, dass die Pflege durch Angehörige sein wird, wenn sie nicht die Wege dafür ebnet. Wer kann es sich noch leisten zuhause zu bleiben, um sich zu kümmern? Vor allem wenn danach Arbeitslosigkeit droht und die eigene Gesundheit dabei flöten geht.

Zu Recht resümiert die Berliner Expertenrunde, dass es nicht den einen Königsweg geben kann. Selbstverständlich ist die Wahl eines Lebensmodells, auch im Alter, sehr individuell. Aber es bleibt dabei: Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, alle Wege der individuellen Pflege adäquat zu unterstützen. Und dabei darf es keine Rolle spielen, ob ein Pflegebedürftiger von Profis gepflegt wird oder von den Angehörigen. Wenn die Pflegeleistung stimmt, sollte das auch für alle entsprechend entlohnt werden.

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